Die Kritik an der Konsumkritik

Beschlussnummer  2018.W3
Antragsteller*innen  Bezirksvorstand
Weiterleitung an 

Die Konsumkritik ist ein Trend in der linken Szene, der immer mal wieder auftaucht und sich als Stigma („Es fängt bei jede*r Einzelnen an“) breitmacht. Die Theorie ist simpel: Du bist die*der Herr*in über deinen Konsum und du entscheidest über das was du kaufst. Also bist du auch für die Kinderarbeit in deinen Turnschuhen, den Pestiziden auf deinem Salat und vor Allem dem Tierleid auf der ganzen Welt verantwortlich, weil du gestern eine Bratwurst gegessen hast.

Jede*r soll die Welt durch ihren*seinen Konsum ein wenig besser machen, weil man im besten Fall gleich auf alles verzichtet. 

Natürlich scheint es auf den ersten Blick sinnvoll, bewusst zu konsumieren. Wenn ich es mir leisten kann 30ct pro Ei mehr auszugeben, damit ich mir sicher sein kann, dass das Huhn auf einem Bilderbuch-Bauernhof lebt und viel Freifläche zum herumtollen hat, klingt das gut. Und neben dem Huhn kann ich mich auch noch selbst beim Eierkauf freuen, was ich für ein wundervoller Mensch bin, der gerade die Welt verbessert hat.

Aber was für eine Ideologie steckt dahinter?

Es ist schlicht und einfach die liberale Marktwirtschaft. Es geht nicht um Produktionsstandards, die verbessert werden, nicht um Gesetze, die Kinderarbeit verbieten. Die Ideologie der Konsumkritik sagt: du hast einen freien Markt und kannst entscheiden, was du kaufen möchtest. 

Doch was ist mit den Menschen, für die dieser Markt nicht so frei ist? Die sich auf Grund des Preises nicht frei entscheiden können? Oder sie auf dem Land wohnen und nicht schnell in die S-Bahn steigen können, sondern auf das luftverpestende Auto angewiesen sind? Für diejenigen bleibt nur noch übrig sich damit abzufinden, dass der Rest ihres Freund*innenkreis sie für den Untergang der Welt verantwortlich macht.

Kraftklub sang so schön „Mit 390 Euro Hartz kommt man nicht weit im Bio-Markt“ und löst damit genau die richtige Debatte aus. Denn bei der Konsumkritik kann nur die*jenige mitmachen, die*der es sich auch leisten kann.

Eine marxistische Kritik am Konsumverhalten muss sich aber an die Gesamtbevölkerung richten. Wir müssen dafür sorgen, dass wir die Welt durch Gesetze besser machen und nicht auf die hippen Ideen einer kleinen privilegierten Gruppe hoffen. 

Wir lehnen die Konsumkritik daher ab und fordern eine gerechtere Welt für alle!

Wir wollen nicht das Bio-Karotten-Dinkel-Brot – Wir wollen immer noch die ganze Bäckerei!