Gegen das Verschweigen nationalsozialistischer Verbrechen

Beschlussnummer  2018.I3
Antragsteller*innen  Jusos UB Göttingen
Weiterleitung an  Juso-Bundeskongress

Die Jusos Bezirk Hannover fordern konkrete Förder- und Forderungsmaßnahmen der Politik auf allen Ebenen für mehr Aufklärungsarbeit nationalsozialistischer Verbrechen in Privatunternehmen. Von der Kommune bis zur Bundesregierung muss es Maßnahmen geben, die anregen, dass es sowohl bei Klein- als auch Großunternehmen eine umfassende Aufarbeitung ihrer jeweiligen Involvierung in nationalsozialistische Verbrechen und Vergangenheiten gibt.

Die umfassende Aufarbeitung, die in öffentlichen Institutionen durchgeführt wird, ist wichtig und richtig, doch bildet sie nur die Hälfte einer Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen. Zwangsarbeiter*innen in Fabriken, Opfer medizinischer Experimente und auch Zwangsarbeiter*innen in einer Bäckerei – und seien es nur zwei Menschen gewesen – müssen mit dem gebührenden Respekt einer Aufarbeitung bedacht werden. Die Vorstellung, nationalsozialistische Verbrechen wären im Alltag nicht präsent gewesen, es würde unbescholtene Soldaten geben oder Großunternehmen, die unbeteiligt gewesen seien, muss für eine von den Jusos forcierte Erinnerung radikal dekonstruiert werden. Als spätestens ab 1943 vom totalen Krieg und damit der Inanspruchnahme aller gesellschaftlichen Ressourcen für den Krieg die Rede war und der Faschismus und die Gleichschaltung bereits vorher auf alle gesellschaftlichen Bereiche übergreifen, kann es keine neutrale Position geben. Theodor W. Adorno behält recht, wenn er sagt: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Gerade heute, wo von einer „Erinnerungspolitischen Wende“ und von der „geistigen Rehabilitation“ von Wehrmachtssoldaten gesprochen wird, muss ein antifaschistischer Richtungsverband klare Position beziehen. Wir dürfen den politischen Rechten nicht den Erinnerungsdiskurs überlassen, sondern im Gegenteil, ihn für uns beanspruchen und nicht aufhören, den Finger in die Wunde zu legen. Es stehen immer noch Fragen aus und zu wenig wurde bisher getan, um eine umfassende Aufarbeitung von Privatunternehmen zu ermöglichen. Die meisten Unternehmen, die in diese Richtung ihre eigene Vergangenheit erforschen, tun das auf Eigeninitiative. Für die Aufarbeitung der eigenen DDR Vergangenheit gibt es Fördertöpfe, in mindestens gleichem Maße braucht es das auch für die Aufarbeitung von nationalsozialistischer Vergangenheit. Zusätzlich ist die Beschäftigung mit der Vergangenheit keine Beliebigkeit, wer lieber schweigt, muss mit Forderungsmaßnahmen konfrontiert werden.