Kann das mit 30 noch was werden? Vom Quoten-Geben und Quoten-Leben

Beschlussnummer  2018.F1
Antragsteller*innen  Bezirksvorstand
Weiterleitung an 

Die Quote hat ihr Ziel erst dann erfüllt, wenn sie überflüssig geworden ist.

Die Quote war nie ein Mittel zum Zweck, wir haben in der Partei keine Quoten nur um Wahlen interessanter oder Männern das Leben schwer zu machen. Die Quote ist Antwort auf ein bestehendes Problem, dass nämlich Positionen mehrheitlich von Männern besetzt werden. Die Quote soll diese Problem beheben, sie hat ein bestimmtes Ziel und sollte nie von Dauer sein. Vielmehr hat die Quote ihren Zweck erfüllt, wenn sie überflüssig geworden ist, weil bei Wahlen in der Partei von allein ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis erreicht wird. 

Nach wie vor ist die Partei aber nicht in der Lage, Menschen entsprechend ihrem Interesse und Engagement gleichberechtigt zu beteiligen. Nach wie vor sind wir von der Parität der Geschlechter in unserer Partei weit entfernt, sei es in den Mitgliederzahlen oder der aktiven Beteiligung. Wir hadern an vielen Stellen immernoch damit, die 40 %-Marke zu erreichen. Das Problem zieht sich durch alles Gliederungen der Partei, von den Ortsvereinen und AG-Vorständen bis hin zu höheren Ebenen und Delegationen. 

Wir sind zwar schon einige Schritte weiter gekommen und haben mittlerweile auch kleine Erfolge zu feiern. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir unser Ziel erreicht haben. Bei Weitem nicht. Wir brauchen die Quote noch immer. Frauen* sollen nach vorne gebracht werden. Dabei wollen wir aber nicht nur weiße, heterosexuelle Frauen* in Funktionen bringen. Wir wollen ALLEN Frauen* eine gleichartige und gleichwertige Teilhabe am politischen Leben ermöglichen.
 
Die Quote allein ist auch nicht die Lösung

Je höher in der Hierarchie angekommen, desto dünner wird die Luft für Frauen*. Nach wie vor wird immer noch der Begriff „Quotenfrau“ verwendet um deutlich zu machen, dass die jeweils agierende Frau* nicht geeignet und qualifiziert ist für die Position, in der sie sich befindet. Oder auch anders formuliert: Wie kann es eine Frau* nur wagen, einem so so überragend qualifizierten Mann den Platz wegzunehmen? Das entspricht nicht unserem Verständnis und unserem Anspruch an die Quote! 

Nach knapp 30 Jahren sollten wir nicht nur genug Zeit gehabt haben, um uns an die Geschlechterquote gewöhnt zu haben und auf ihr begründete Arbeitsweisen entwickelt zu haben. Es sollte auch genug Zeit gewesen sein, zu erkennen, dass die Quote immer auch mit einer konsequenten Frauen*förderung verbunden sein muss. Denn Die Idee ist nicht, dass einem Vorstandskollektiv kurz vor den Wahlen auffällt, dass noch Frauen* benötigt werden und die sich dann logische anschließende Handlung ist, eine Genossin zu suchen, die in die Position gedrängt wird.Die Genossinnen* sollen gestärkt und Supporten werden. Denn das reine Begeistern von Frauen* für die politische Arbeit oder die Anerkennung ihrer Existenz reicht bei weitem nicht aus! Wir alle tragen die Verantwortung, dass Frauen* in unserer Partei sich befähigt fühlen, Ämter und Mandate zu übernehmen. Denn eine Quote allein ist noch keine Lösung für die vielfältigen Probleme, die der geringen Frauen*beteiligung in unserer Partei zu Grunde liegen.

Kein Grund sich zurück zu lehnen – Die Quote ist ein Arbeitsauftrag

Eine Quote ist deshalb noch kein Grund sich zurückzulehnen - sie ist ständige Aufgabe an die handelnden Funktionär*innen. Sie muss immer wieder aufs neue erkämpft, verteidigt und mit  Leben gefüllt werden. 

Dazu gehört, das Reißverschlussverfahren bei Listenaufstellungen konsequent umzusetzen. Es gibt keine validen Ausnahmen vom Reißverschluss wenn wir von Anfang an die Quote mitdenken und uns frühzeitig um eine Frauen*beteiligung kümmern. 

Dazu gehört auch, dass wir die Quote nicht nur dort zähneknirschend akzeptieren, wo die Satzung sie uns vorgibt. Eine konsequente Quotierung sollte sämtlichen Handeln in unserer Partei zugrunde liegen, angefangen bei den Grußworten unserer Parteitage und Veranstaltungen. Denn wie wollen wir denn Frauen* vermitteln, dass sie in unserer Partei wertgeschätzt und ernstgenommen werden, wenn wichtig genug für ein Grußwort doch immer wieder hauptsächlich Männer sind?

Gerade wenn die Quote laut Statuten nicht gilt, wird sie umso konsequenter zunichte gemacht. Wir sehen sowohl in vielen geschäftsführenden Vorständen als auch in Fraktionsvorständen, dass die Quote nach wie vor nicht gelebter Teil unseres politischen Wirkens ist. Wo Positionen hingegen nur einzeln besetzt werden und eine Quotierung nicht in Betracht kommt zeigt sich das Patriarchat stets von seiner besten männerdominierten Seite.

Viel zu viele Bereiche unserer Partei existieren sogar gänzlich jenseits und außerhalb der Quote. Dass die Arbeit in unserer Partei auf unterschiedlichsten Ebenen und in einer Vielzahl verschiedener Arbeitsgemeinschaften stattfindet, können wir nicht hoch genug wertschätzen. Doch diese Vielfalt darf nicht dazu führen, dass viele Teile der Partei die Quote konsequent missachten/ dass sie Schlupflöcher für ein Quotenfreies Parteileben ermöglicht! Dies ist nicht nur Problem der unteren Gliederungsebenen, sondern zieht sich in Arbeitsgemeinschaften bis zur Bezirksebene. Wenn wir deshalb unsere Quote ernstnehmen und zur vollen Wirkung verhelfen wollen, müssen wir auch bereit sein, unquotierte Vorstände zumindest auf Bezirksebene konsequent aufzulösen.