Leitfaden zur gezielten Frauen*förderung und für ein diverseres Verbandsleben

Beschlussnummer  2017.O4
Antragsteller*innen  Bezirksvorstand
Weiterleitung an 

Einleitung

Wir wissen, dass in unserem Verband deutlich mehr Männer als Frauen* aktiv sind. Diese Resolution soll einen Leitfaden darstellen, mit dem wir hoffen dieses ändern zu können. Er ist das Ergebnis einer langen Phase, in der wir uns immer wieder bei unserer Verbandsarbeit reflektiert haben und ausprobiert haben, wie wir mehr Frauen* motivieren können, sich in unserem Verband zu engagieren. Angefangen hat dieser Prozess mit unserem Gendertag. An diesem haben wir uns mit den Geschlechterverhältnissen in unserem Verband beschäftigt, Handlungsbedarf an mehreren Punkten in unserem Verband erkannt, Verfahren zur weiblichen* Mitgliedergewinnung diskutiert und dieses mehrfach in Genderplena reflektiert. Letzteres war uns besonders wichtig, denn wir wollen nicht nur mehr Frauen* im Verband, sondern Strukturen in denen sich alle wohl fühlen und miteinander arbeiten, sich engagieren und Spaß haben können. Die Ergebnisse dieses Tages bieten die Hauptgrundlage für diesen Leitfaden. Einiges haben wir weiter verfolgt, manches ausprobiert und vieles umgesetzt. Diese Erfahrungen haben uns zu dem Punkt geführt, dass wir sie als Resolution beschließen wollen, um unsere weitere Arbeit davon prägen zu lassen und weiteren Ebenen im Verband die Möglichkeit zu geben, einen Einblick und Hinweise zu gewinnen.

Wichtig ist uns hierbei, dass sich alle Menschen in unserem Verband angesprochen fühlen und jede*r die Vorteile von einem positiven und diversen Miteinander erkennen. Auch gerade Männer sollten sich mit einer Frauen*förderung befassen und für diese Thematiken sensibilisieren, denn wir alle profitieren davon.

Wie wir arbeiten

Frauen*förderung liegt für uns in der Verantwortung aller politisch Aktiven. Jeder und jede sollte daher reflektieren, wie wir Frauen* besser in unsere politische Arbeit einbinden und bestärken können. Gleichzeitig kommt aber insbesondere den Vorsitzenden die Aufgabe zu, sich aktiv für Frauen*empowerment einzusetzen und hier in ihrem jeweiligen Vorstand die Hauptverantwortung zu übernehmen. Gerade die Vorsitzenden müssen die Initiative ergreifen, die Arbeit ihrer Vorstände für Frauen* attraktiv zu gestalten und Frauen* in ihrem Umfeld voranzubringen. Um das zu erreichen, müssen wir Männer stärker für das Thema Empowerment sensibilisieren. Es kann nicht allein Frauen*thema sein, sondern muss uns als Verband und Partei als Ganzes angehen. Andererseits ist unbedingte Voraussetzung für eine gelingende Frauen*förderung auch Solidarität unter Frauen*. Wir müssen hier auch als Frauen* die Verantwortung wahrnehmen, andere Frauen* in ihrem politischen Wirken zu stützen und bestärken. Denn gemeinsam sind wir stark. Ein wichtiger Ansatz, um Frauen* in die eigene politische Arbeit besser einzubinden, sind rotierende Sitzungsleitungen. Dadurch können auch in der Sitzungsleitung verschiedene Perspektiven und Vorstellungen einfließen und wird Frauen* regelmäßig die Gestaltung der Sitzung in die Hand gegeben. Grundlage sollte dabei eine gemeinsame Übereinkunft über die Art der Sitzungsleitung sein, insbesondere das grundsätzliche Führen quotierter Redelisten. Konkrete Strukturen und Instrumente für eine bessere Frauen*förderung stellen daneben beispielsweise Geschlechterplena dar, in denen zum einen Frauen* sich austauschen und vernetzen können, zum anderen Männer über Sexismus und eine verbesserte Frauen*förderung sprechen. Daneben sind Awareness-Teams bei Juso-Veranstaltungen ein wichtiger Baustein, um Sexismus entgegenzuwirken und ein respektvolles Miteinander zu gewährleisten in dem sich gerade Frauen* auch wohl fühlen. Außerdem sollte (vor allem auf männlich dominierten Sitzungen) Mansplaining entgegengewirkt werden, also dem Drang von Männern, Frauen* unnötig zu berichtigen, sie zu übergehen oder nicht ernst zu nehmen. Es ist deshalb umso wichtiger, Frauen* aktiv in Diskussionen einzubinden, ihre Wortbeiträge zu berücksichtigen und sich darauf zu beziehen, anstatt sie für sich zu reklamieren. Frauen* müssen als gleichwertige Gesprächspartner*innen gewertschätzt werden, und zwar unabhängig von Sinn oder Unsinn einzelner Äußerungen. Denn auch Männer werden nicht an jedem einzelnen Wortbeitrag gemessen. 

Was wir aktiv unternehmen

Neben der eigenen, internen Arbeitsweise müssen wir auch überdenken, was wir darüber hinaus unternehmen können, um mehr Frauen* für unsere Arbeit zu begeistern. Eine wichtige Möglichkeit bieten dabei Demos zu feministischen Themen, wie dem internationalen Frauen*kampftag oder dem Equal Pay Day. Das Sichtbarmachen unserer feministischen Inhalte beeinflusst auch unsere Wahrnehmung nach außen als feministischer und weiblicher* Verband und bildet damit einen wichtigen Kontrapunkt zu den eher männlich dominierten (aber natürlich ebenso wichtigen) antifaschistischen Aktionen. Neben Demos bieten sich auch andere Veranstaltungsformate an, die eigene Attraktivität als Organisation gegenüber den üblichen (eher drögen) Sitzungen zu steigern und die Einstiegsschwelle zu senken. Auch gezielte Einstiegs- oder Weiterbildungsangebote eignen sich, um gerade Frauen* eine Möglichkeit zu geben, ohne oder mit geringen Vorkenntnissen mitzuarbeiten und sich dabei willkommen zu fühlen. Um eine Vielfalt von Menschen anzusprechen sollten außerdem diverse Veranstaltungsformate gewählt werden. So kann sich statt eines Kneipenabends auch die Möglichkeit eines Frühstücksformates anbieten. Ebenso sollten wir Frauen* den Zugang zu Parteitagen und ähnlichem dadurch erleichtern, dass wir beispielsweise ein Meet&Greet oder ähnliche Optionen am Rande anbieten. Schon die Art und Weise, wie wir Veranstaltungen bewerben, der Veranstaltungstitel oder das Design, können die Attraktivität der Veranstaltung für Frauen* beeinflussen. Sei es zum Beispiel, dass das Design martialisch wirkt oder der Titel für Außenstehende und nicht Eingeweihte nicht ansprechend wirkt. Hier sollten wir regelmäßig die Außenwirkung unseres Auftretens überdenken. Daneben müssen wir Frauen* durch gezielte Empowermenttreffen den Rücken stärken und ihnen durch niedrigschwellige Vernetzungsangebote eine Möglichkeit bieten, Kontakte zu anderen Frauen* auszubauen. Dadurch können Frauen* sowohl Erfahrungen austauschen als auch bestehende Probleme diskutieren und gemeinsam Wege finden, patriarchale Strukturen zu durchbrechen. Solche Treffen sind umso wichtiger, wenn Frauen* vor Ort oftmals deutlich in der Unterzahl oder sogar die einzige politisch engagierte Frau* sind. Die Art und Weise wie wir Veranstaltungen ausrichten hat ebenso einen großen Einfluss darauf, wen wir damit ansprechen. Deshalb ist es uns wichtig, Hürden für Veranstaltungen, wie zum Beispiel eine Konsumverpflichtung beim Treffen in der Kneipe, abzubauen. Veranstaltungsorte sollten mit Bedacht gewählt werden und auf Lautstärkepegel, Atmosphäre und ähnliches hinterfragt werden. Schließlich müssen gerade Sitzungen grundlegende Regeln der Zusammenarbeit berücksichtigen, die am besten selber aufgestellt werden und von einer Sitzungsleitung auch durchgesetzt werden sollten. Dazu gehören unbedingt zumindest das gegenseitige Ausredenlassen und der respektvolle Umgang miteinander. Im Sinne unserer Doppelstrategie müssen wir uns auch um Multiplikator*innen bemühen, um unsere Reichweite gerade bei Frauen* zu erhöhen. Wir sollten hier den Austausch mit anderen Gruppierungen suchen. Ziel muss es sein, mehr zu werden. Insgesamt sollten wir uns in unserer Arbeit vermehrt der gezielten Gewinnung und Aktivierung von Frauen* widmen, nur so können wir den Anteil von Genoss*innen in unseren Strukturen erhöhen, was bitter nötig ist. Dazu eignen sich Aktionen wir eigene Frauen*-Einladungspostkarten ebenso wie eine Call your sister-Aktion, also das abtelefonieren und einladen sämtlicher verzeichneter Genoss*innen durch andere Genoss*innen.

Wie wir uns darstellen

Die Darstellung in Wort, Bild, Video und Ton prägt im höchsten Maßen, wie wir wahrgenommen werden und wie wir auf potentielle neue Mitglieder wirken. Deswegen werden wir in unserer Publikationsarbeit ganz im Besonderen darauf achten uns als der feministische Verband darzustellen, der wir inhaltlich sind.  

Das heißt das wir gerade Frauen* dabei unterstützen zu publizieren. Ein paritätischer Anteil der Artikel, die beispielsweise im DeFaMag veröffentlicht werden sollen von Frauen* verfasst werden. 

Auf Bildern die wir veröffentlichen, achten wir darauf, dass Frauen* in der handelnden Funktion sind. Generell soll vermieden werden, dass statische Gruppenbilder publiziert werden, auf denen ein überwiegend aus Männern bestehender Block an aufgereihten Menschen abgebildet ist. Diese wirken nicht nur im feministischen, sondern auch im optischen Aspekt, als nicht geöffneter, willkommen heißender Verband. Es hilft hier also wirklich allen, darauf zu achten. 

In unserer Bildungsarbeit setzen wir auf eine divers gehaltene Auswahl an Referent*innen. Auch auf Podien sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein.

Zusätzlich gilt es auch bei zukünftigen Videoproduktionen, dass wir verschiedene Formate ausprobieren und durch Analysetools herausfinden wollen, wie wir auf bestimmte Zielgruppen wirken und gegebenenfalls gegensteuern. Denn unser Ziel ist klar: Wir wollen als das wahrgenommen werden, was wir sind -- Ein sozialistischer, internationalistischer und feministischer Richtungsverband.