Qualifizierungsmaßnahmen harmonisieren - Das Arbeitslosengeld Q richtig angehen

Beschlussnummer  2017.A3
Antragsteller*innen  Jusos UB Göttingen
Weiterleitung an  Bundeskongress, SPD-Bezirksparteitag

Der Schulzzug rollt und mit ihm die ersten inhaltlichen Eckpunkte seines Programms für die Bundestagswahl 2017. Martin Schulz hat sich dabei für ein Konzept des Arbeitslosengeldes Q ausgesprochen, das die Bezugsdauer des ALG I verlängert, sofern die Beteiligten an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen würden. Die vermittelte Weiter- und Fortbildung durch das Jobcenter soll dabei aber keinen Selbstzweck darstellen. Damit das geplante Konzept des ALG Q seine Wirkung entfalten kann, müssen neben Harmonisierungen der Maßnahmen auch grundlegende Standards etabliert werden.

Wer jedoch über das Jobcenter an Qualifizierungsmaßnahmen teilnimmt wird schnell feststellen müssen, dass der Pool an Angeboten einem regelrechten Dschungel gleicht, bei dem die Qualität und eine erfolgreiche Fortbildungsquote weit auseinandergehen. So kann es durchaus vorkommen, dass ein*e Bauarbeiter*in, der*die in der Saisonarbeitslosigkeit ist, an einen zweiwöchigen Journalismus-Kurs vermittelt wird, der die Proband*innen höchstens darauf vorbereitet, Internetsuchmaschinen gezielt einzusetzen und weniger, wie mensch journalistisches Basis-Wissen einsetzt. Jetzt stößt nicht nur die Tatsache auf, dass hierbei die falsche Qualifizierungsmaßnahme getroffen wurde, sondern auch, dass nicht gerade geeignete Kurse an die falschen Teilnehmer*innen von Steuergeldern finanziert werden. 

Wenn mensch sich die aktuelle Entwicklung des demographischen Wandels vor Augen führt und den ansteigenden Fachkräftemangel mitberücksichtigt, wird feststellen, dass wir auf diese Herausforderung entsprechend reagieren müssen. Durch entsprechende und gezielte Qualifizierungsmaßnahmen und Umschulungen besteht grundlegend das Potenzial, dem ansteigenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Gerade die Problematik der Sockelarbeitslosigkeit und Arbeitslose im fortgeschrittenen Alter kann mensch nur mit einem vergleichbaren und qualitativ geeigneten System von Fort- und Weiterbildungsangeboten begegnen.

Um also dem Konzept des ALG Q das nötige Fundament der geeigneten Maßnahmen zur Verfügung zu stellen, fordern wir: 

  • Allgemeingültige Gütesiegel für Qualifizierungsmaßnahmen, um eine einheitliche Qualität und Vergleichbarkeit der Angebote zu gewährleisten
  • Zeugnisse und Bescheinigungen einführen, die den selben Standards entsprechen, um eine höhere Anerkennung im Rechtsverkehr zu erreichen und für eine bessere Verwendung zu sorgen
  • Ein Vergabesystem innerhalb der Jobcenter etablieren, so dass ausschließlich zielgerichtet die passenden Qualifizierungsmaßnahmen vermittelt werden und keine fachfremden Kurse Anwendung finden
  • In Anbetracht des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels gezielte und sinnvolle Fort-, Weiter-, oder Umschulungsmaßnahmen vornehmen, um den drohenden Herausforderungen gerecht zu werden
  • Kooperationen und Partner*innenschaften mit den Volkshochschulen soweit wie möglich vorantreiben, da diese eine gesteigerte Qualität vorweisen und eine höhere Anerkennung im Rechtsverkehr besitzen