„Wer hat Angst im Dunklen?“ – Angsträumen entgegentreten

Beschlussnummer  2016.F5
Antragsteller*innen  Jusos Region Hannover
Weiterleitung an  Landeskonferenz

In den letzten Wochen war viel zu lesen über sogenannte Angsträume im öffentlichen Raum. Nach den Vorfällen der Silvesternacht konnte man, neben rassistischer Hetze und Diskussionen über das Versagen der Polizei, viel lesen über die Ängste von Frauen* – leider viel zu oft nur um populistische Forderungen zu stützen. Aber Etwas bleibt und war auch lange vor Köln schon so: Insbesondere für Frauen* gibt es in unserem öffentlichen Raum Angsträume. Jede dritte Frau wird in ihrem Leben Opfer von Gewalt. Die meisten von ihnen jedoch nicht im öffentlichen Raum von Fremden, sondern durch ihnen nahestehenden Personen in der Familie, in Beziehungen oder anderen sozialen Kontakten. Wir stellen damit aber zu keinem Zeitpunkt in Frage, dass Frauen* auch im öffentlichen Raum Opfer von sexueller und sexualisierter Gewalt werden. Dabei muss es auch nicht immer zu körperlicher Gewalt kommen, oft werden Frauen* in der Öffentlichkeit, nachts im Club, auf dem Schützenfest, beim Konzert, im Schwimmbad, in Menschenmengen, bedrängt, belästigt oder sexistisch angegangen.

Mit Angsträumen sind zunächst Orte gemeint, an denen Menschen mehr Angst vor Gewaltübergriffen haben und sich bedrohter fühlen, als an anderen, ohne dass es dafür zwangsweise begründete Voraussetzungen gibt. Meist handelt es sich um nicht sonderlich belebte, stille und häufig dunkele Orte, besonders wenn es dunkel ist, etwa Tiefgaragen, U-Bahnhaltestellen, schlecht einsehbare Ecken, kleine schlecht beleuchtete Straßen oder Parks.

Gesellschaftliche Rollenbilder

Frauen* werden in unserer Gesellschaft als besonders schwach dargestellt. Darüber hinaus neigt die Gesellschaft dazu, Frauen* mit besonderen Verhaltensregeln zu belehren – wie auch die Schwachsinns-Armlänge von Köln gezeigt hat. Hier wird Frauen*, die Opfer geworden sind, eine Mitschuld unterstellt. Dazu gehören auch Fragen wie: Sollten Frauen* nachts alleine nach Hause gehen, sollten sie Pfefferspray dabei haben, sollten sie sich nicht zu aufreizend kleiden, um keine Vorfälle zu provozieren?

Als feministischer Richtungsverband setzen wir uns kritisch mit solchen Rollenbildern und ihren Folgen auseinander und fordern auch weiterhin solche und viele weitere Stereotype, wie z.B. Mädchen spielen mit Puppen und Jungs mit Autos zu durchbrechen. Dieser Kampf gegen die Stereotypen geht mit unserem ständigen Streben nach der Überwindung des Patriarchats Hand in Hand.

Subjektive Wahrnehmung

Angst ist etwas subjektiv Empfundenes. Sie ist nicht immer rational erklärbar und viel zu oft können wir uns ihr nicht entziehen. Auch und gerade wenn wir feststellen, dass Menschen, vor allem Frauen*, sei es aufgrund realer Gefahr oder anerzogener, Angst im öffentlichen Raum haben, müssen wir das Möglichste tun dieser entgegenzutreten. In einigen Bereichen wird dabei in Planungen bereits Rücksicht genommen, sei es etwa durch Frauenparkplätze in Parkhäusern und Tiefgaragen (Nein, wir meinen nicht nur Mutter-Kind-Parkplätze.) oder bei der Beleuchtung von öffentlichen Plätzen und Straßen.

Wir fordern die Kommunen dazu auf, bei der Stadtentwicklung die Vermeidung von Angsträumen mitzudenken. Sei es bei der Vermeidung von engen Gassen oder verwinkelten Plätzen, sowie der Einrichtung von Über- statt Unterführungen um nur einige Beispiele zu nennen, in vielen Bereichen kann bei der baulichen Gestaltung mit geeigneten Maßnahmen Angsträumen entgegengewirkt werden. Diese sollten bei der Bauplanung für Sanierungen und Neubau berücksichtigt und schriftlich in einem Bericht festgehalten werden. Eine ausgeweitete Überwachung von öffentlichen Räumen halten wir ausdrücklich nicht für ein geeignetes Mittel für die Vermeidung von Angsträumen.

Das Heimwegtelefon

Projekte wie das „Heimwegtelefon“, eine ehrenamtliche Initiative, die von Berlin aus bundesweit anbietet, dass Menschen nachts anrufen können, um auf dem Heimweg nicht allein zu sein. Anrufer*innen können ihren Standort und ihre Route mitteilen und so können die ehrenamtlichen TelefonistInnen im Notfall Hilfe alarmieren und schicken. Das Angebot soll sein: Ruf an und fühl dich ein bisschen weniger alleine. Durch das Gespräch sollen AnruferInnen abgelenkt und beruhigt werden. In brenzligen Situationen sollen den Anrufenden außerdem Hilfestellungen gegeben werden, sich selbst zu helfen.

Wir fordern: Initiativen wie das Heimwegtelefon sollten unterstützt werden. Außerdem fordern wir die Mandatsträger*innen der SPD dazu auf, sich mit diesem Projekt, mit Angsträumen, mit klischeehaften Rollenbildern und ihren Folgen zu  beschäftigen und das Problem aktiv anzugehen.